Report Das Einkaufen dauerte deutlich länger Supermärkte mit Selbstbedienung kamen erst in den 70er-Jahren auf. Davor kaufte man alles im Fachgeschäft: beim Bäcker, Fleischer, Obst- und Gemüsehändler, in der Milchzentrale, der Drogerie, dem Schreib- warengeschäft, beim Kaufmann. Dort stand man Schlange, ratschte mit Inhaber (meistens männlich) oder Verkäuferin (stets weiblich), zahlte am Ende bar und möglichst passend. All das fraß Zeit. Und da aus- schließlich die Frauen einkauften, diese jedoch nicht zwingend über den Führerschein und nur selten über ein Auto verfügten, kauften sie nur so viel, wie sie nach Hause tragen konnten. Damals bestanden die Familien oft aus mehr als vier Personen, so war also mehrmals pro Woche ein Einkauf notwendig. Hilf- reich waren deshalb der Milchmann, der Kartoffel- mann und der Brotmann: Sie kamen mit einem kleinen Transporter (unser Milchmann in den 60ern sogar noch mit Pferdefuhrwerk), parkten in der Straße, läuteten eine Glocke, und die Hausfrauen strömten gen Fahrzeug. Unser Milchmann lieferte bis vor die Haustür. In einem Eimer deponierte meine Mutter, wenn sie nicht da war (wahrscheinlich wie- der beim Einkaufen), einen Zettel mit den benötigten Milchprodukten, und der Milchmann legte die Artikel in den Eimer. Leider war sein Auto nicht klimatisiert, und je nach Lagerzeit im Eimer war die Milch im Hochsommer oft schon sauer, bevor wir den ersten Schluck nahmen. Da war die H-Milch, die später auf- kam, eine sinnvolle Erfindung. Ilse Ajulies, 64 Hautausschlag nach dem Baden im Fluss Noch in den 80er-Jahren wusste man nicht so genau, was im Flusswasser bestimmter Regionen, wo man im Sommer badete, so alles mitschwamm. Dass zum Beispiel im Rhein öfter tote Fische trieben, war damals nichts Beson- deres. Da hatte dann wieder irgendein Chemie- konzern schädliche Abwässer in den Fluss geleitet. Eine Bekannte klagte eines Sommerabends über einen üblen Hautausschlag, den sie aufs Schwim- men im nahen Fluss zurückführte. Heute wäre das sofort ein Umweltskandal, dem man nachgehen würde. Katja Griehsing, 64 t i o n e B t t a M m o c k c o t S i : / . o t o F Kaum Angebote für Senioren Das Leben für Ältere ist in der Landeshauptstadt heute viel besser begleitet als früher. Stadt, Kirchen und Wohlfahrtsverbände machen viel, um den Seniorinnen und Senioren das Leben angenehmer zu gestalten. Viele denken: Früher war alles besser! Aber da gab es noch keine Alten- und Servicezentren, keine Seniorenbei- räte, keine finanzielle Förderung für einen preis- werten Mittagstisch oder Freizeitangebote für ältere Menschen. Rainer Albrecht, 72 Hemmungsloses Ausleben von Aggressionen Noch in den 70ern war es vollkommen normal, dass Lehrer oder Chefs (meistens Männer) ihre schlechte Erziehung, schlechte Laune oder sonstigen negativen Emotionen ohne Skrupel an ihrer Schülerschaft oder den Mitarbeitenden aus- lassen durften – ohne jegliche Konsequenzen. Sie brüllten herum und schikanierten Einzelne vor versammelter Mannschaft. Man zog den Kopf ein und ließ es über sich ergehen. Oder hoffte, dass es heute bitte jemand anderen erwischen würde. Ich kann mich noch erinnern, dass auch die Hausmeisterin unserer Grundschule die Jungen, die nach ihrer Meinung Unsinn gemacht hatten, einfach schallend ohrfeigte, ohne dass ihr jemand Einhalt geboten hätte. Sigrid Gramann, 57 Schokolade war ein Luxus In meiner Kindheit gab es wenige Sorten Schokolade, eigentlich nur Vollmilch, Zartbitter, Nuss und Trauben-Nuss. In der Regel als Schokoladentafel, für besondere Anlässe als Pralinen. Schokoriegel oder andere Verar- beitungsformen fanden sich in den Läden nur langsam. Wenn wir zu einem Geburtstag gingen, lag auf dem Geschenk oft noch eine Tafel Schokolade, weil wir wussten: Das Geburtstagskind freut sich darüber, denn Schokolade ist etwas Besonderes, das man nicht jeden Tag essen darf. Martin Hörmann, 59 Foto: Privat