Report möchte, bevor er nicht die Möglichkeit hatte, es voll- ständig zu formulieren. Nur indem man dem anderen intensiv folgt, lernt man Neues. Neues zu lernen, kann aber auch bedeuten: DINGE HÖREN, DIE MAN NICHT HÖREN WILL Richtig zuzuhören bezieht sich auf (fast) jede Perspek- tive des Gesprächspartners. Ohne Vorbehalte, ohne Angst vor dem, was kommen könnte, ohne sofortige Widerrede. Auch was man selbst nicht gern hört, kann eine berechtigte Meinung sein. Sie zu verstehen, muss nicht heißen, damit einverstanden zu sein. Doch nur wenn man selbst zuhört, darf man vom anderen er- warten, auch der eigenen Meinung gegenüber offen zu sein. Denn nur so wird er sich eventuell überzeugen lassen. „Es erfordert nicht viel ,Technik‘, um ein gutes Gespräch zu führen“ Die Psychosoziale Notfallversorgung des Münchner Roten Kreuzes kümmert sich um Menschen, die Schlimmes erlebt haben – Überlebende eines Unglücks, Angehörige von Notfall- patienten, Unfallzeugen, Helfende: er beste Weg, um bei einer Betreuung oder in einem Patien- D tengespräch Informationen zu bekommen, ist meistens, sich selbst aus dem Gespräch herauszuhalten. In einem solchen Aus- tausch dürfen wir keine eigene Erwartungshaltung und keine vorge- fasste Meinung haben. Das ist in der Praxis oft gar nicht so einfach umzusetzen. Was wir persönlich denken oder von dem Thema hal- ten, darf in der Gesprächsführung keine Rolle spielen. Nur so können wir unserem Gesprächspartner das Gefühl vermitteln, frei und un- beeinflusst sprechen zu können. Natürlich stellen wir Fragen, wenn wir eine Aussage nicht verstehen oder einen Widerspruch erkennen. Allerdings sollte dabei keinesfalls eine Beurteilung – oder noch schlimmer: Verurteilung – des Gegenübers anklingen. Wenn das Gespräch stockt, können Spiegelfragen helfen, den Inhalt verständlicher zu machen. Die Frage greift eine Aussage auf und hinterfragt diese wertfrei, etwa: „Warum haben Sie das Gefühl, dass diese Arbeit Sie überfordert?“ Auf diese Weise lassen sich solche Gespräche gut steuern und auf die relevanten Inhalte konzentrieren. Es erfordert nicht viel „Technik“, um ein gutes Gespräch zu füh- ren. Die meisten Menschen möchten sich mitteilen, tun dies aus Angst, abgelehnt oder verurteilt zu werden, aber nicht. Wenn wir also unserem Gesprächspartner den Eindruck vermitteln, dass ihm das mit uns nicht passieren wird, sind sehr offene und informative Gespräche möglich. „Wir konzentrieren uns nicht auf Probleme, sondern entwickeln eine Perspektive“ Die Beratungsstelle für ältere Menschen und Angehörige des Kreisverbands berät rund um die Themen Pflege und Betreuung: ie wichtigste Voraussetzung für ein D offenes Gespräch ist es, eine vertrau- ensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Klient ermuntert fühlt, von sich aus zu er- zählen. Dafür nehmen wir uns Zeit, vermit- teln echtes Interesse am Gegenüber, hören empathisch zu, äußern uns einfühlend und verständnisvoll. Der Klient soll frei und un- zensiert sprechen. Dazu treten wir ihm klar und wertschätzend gegenüber, halten Blick- kontakt und achten auf eine positive Körper- sprache. Weder kommentieren wir, noch beurteilen/bewerten wir seine Äußerungen. Gerät das Gespräch ins Stocken, versuchen wir, es mit möglichst indirekten Nachfragen wieder in Gang zu bringen (zum Beispiel: „Mich würde interessieren, ob Sie von Ihren Angehörigen unterstützt werden.“). Durch diese Ich-Botschaften wird das Gegenüber dazu eingeladen, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Situationen lösen wir nachvollziehbar und konstruktiv. Wenn es zu Unklarheiten kommt, sollte der Sachverhalt nochmals betrachtet werden, um eine Verständigung zu ermögli- chen. Es ist dabei wichtig, auf Verallgemeine- rungen (zum Beispiel: „In der Regel werden Angehörige zu Hause gepflegt.“) zu verzich- ten und stattdessen konkrete Beobachtungen und Empfindungen anzusprechen. Unser Gesprächsziel ist grundsätzlich, dass der Klient durch den Austausch eigene Lösun- gen findet. Auf dem Weg dorthin vermitteln wir Hoffnung, eröffnen neue Blickwinkel und regen zum Nachdenken an. Ist jemand emo- tional aufgewühlt, hilft es meistens, durch entsprechendes Intonieren beruhigend auf ihn einzuwirken. Auch vermeiden wir Nega- tivismen (wie „Die angedachte Maßnahme hilft nicht.“). „Geht nicht“ gibt’s bei uns nicht. Wir konzentrieren uns nicht auf Probleme, sondern erarbeiten eine Zukunftsperspektive. Wichtig ist dabei, souverän aufzutreten und die Emotionalität herauszunehmen.