Rotkreuzjacken mit Logo Copyright: DRK / Foto: Pedro Citroler

150 Jahre Rotes Kreuz in Deutschland

Berlin, im Oktober 2013

1863, mit der Gründung der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung durch Henry Dunant, beginnt auch die Geschichte des Roten Kreuzes in Deutschland. Seit 150 Jahren leistet das Deutsche Rote Kreuz Hilfe nach dem Maß der Not. Heute engagieren sich in Deutschland 400.000 ehrenamtliche Helfer und 3,5 Mio. Mitglieder nach den Grundsätzen der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Ein historischer Überblick.

Henry Dunant – Die Geschichte einer Idee

1859 trifft der Schweizer Kaufmann Henry Dunant durch Zufall auf das Schlachtfeld von Solferino. Erschüttert von den Hilferufen der rund 40.000 sterbenden und verwundeten Soldaten, beginnt er, Freiwillige aus der Gegend zur Versorgung der Opfer – egal ob Freund oder Feind – zu bewegen. Am 17. Februar 1863 gründet das Fünfer-Komitee, dem Dunant angehört, das Internationale Komitee des Roten Kreuzes. Zur 1. Genfer Konferenz vom 26. bis 29. Oktober 1863 treffen sich Delegierte aus 16 Nationen, um Dunants Ideen weiter zu entwickeln. 1864 unterzeichnen zwölf Nationen auf einer offiziellen Konferenz der Schweizer Regierung die erste Genfer Konvention. Sie gilt als Eckpfeiler des Humanitären Völkerrechts. Das Rote Kreuz auf weißer Fahne wird zum internationalen Schutzsymbol der Helfer. 1901 erhält Dunant den ersten Friedensnobelpreis der Welt.

Das Rote Kreuz in Deutschland

Unter den mehr als 180 Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften ist das DRK die älteste nationale Hilfsorganisation der Welt. Nach Gründung des internationalen Roten Kreuzes 1863 wird am 12. November des gleichen Jahres die Vorgängerorganisation des DRK, der „Württembergische Sanitätsverein“, gegründet. Die Rotkreuzgesellschaften kommen während der drei Einigungskriege erstmals zum Einsatz und versorgen Verwundete und Kranke nach Schlachten. Bis 1885 gelingt es dem Preußischen Zentralkomitee des Roten Kreuzes in Kooperation mit dem Deutschen Kriegerbund 130 Sanitätskolonnen mit insgesamt 3.000 Mitgliedern aufzustellen. Ihre Hilfe ist auch in Friedenszeiten gefragt. Die Sanitäter transportieren und versorgen in Not geratene Personen bei Vergiftungen, Verbrennungen, und Unfällen und leisten Hygiene-Aufklärung in Zeiten von Cholera und Typhus. 1883 kommen erstmals zwei Wasserrettungstrupps in Regensburg zum Einsatz. Ihr Einsatz gilt als Geburtsstunde der Wasserwacht.

Der Erste Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg hilft das Rote Kreuz in den Lazaretten und Spitälern umfassend. Nach Friedensschluss erfordert die politische Situation eine einheitliche Vertretung der bis dato rechtlich selbstständigen Rotkreuz-Landesvereine. 1921 schließen sich die 24 Landes- und Landesfrauenvereine zum Deutschen Roten Kreuz zusammen und treten der Internationalen Liga der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung bei. Das Deutsche Rote Kreuz widmet sich künftig verstärkt der Wohlfahrt.

Das DRK im Nationalsozialismus

Seit 1933 erfolgt die schrittweise Gleichschaltung der Hilfsorganisation. Mit dem „Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz“ wird das DRK dem NS-Staat vollständig einverleibt. Seit Ende der 1990er Jahre widmet sich das Deutsche Rote Kreuz intensiv der eigenen Vergangenheit unter dem Hakenkreuz und hat eine umfassende Studie unabhängiger Historiker veröffentlicht.

Die Nachkriegsjahre: DRK-Suchdienst, Kinderspeisung und Friedland

Im April 1945 wird der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes gegründet. In den Folgejahren gelingt es, die Familien von 16 Millionen ausgebombten, vermissten, verschleppten und vertriebenen Personen wiederzufinden. Im Sommer 1945 wird das DRK durch die Besatzungsbehörden vorübergehend aufgelöst. Trotzdem geben die Rotkreuz-Mitarbeiter der einzelnen Verbände ihre Tätigkeit nicht auf. Mit der Entnazifizierung durch die alliierten Besatzungsmächte wird 1946 auch die Führungsspitze des DRK zur Rechenschaft gezogen. Der Winter 1946/47 wird der kälteste des 20. Jahrhunderts. Noch immer sind Millionen Bürger in Notunterkünften untergebracht. Das Schwedische Rote Kreuz beschließt die Finanzierung von Massenspeisungen für deutsche Kinder. Zwischen 1946 und 1949 kocht das DRK täglich rund 40.000 Essen, die in Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet an Kinder zwischen drei und sechs Jahren ausgegeben werden. Das Grenzdurchgangslager Friedland wird für Heimatvertriebene und Kriegsheimkehrer, später auch für Flüchtlinge aus der ganzen Welt ein „Tor der Freiheit“. Zwischen 1945 und 2007 erreichen etwa vier Millionen Flüchtlinge Friedland. Ehrenamtliche DRK-Helfer versorgen die meist mittellosen Flüchtlinge mit Kleidung und Lebensmitteln.

1950: Offizieller Neuanfang, Blutspendedienst und Massenflucht aus der DDR

1950 schließen sich die regionalen Vereine wieder national zusammen. 1951 wird in Düsseldorf die erste Blutspendenzentrale eingerichtet. Das DRK übernimmt den Aufbau eines unentgeltlichen Blutspendewesens.1952 wird das DRK der DDR gegründet. Aus ihm erwächst eine Massenorganisation, die Mitte der 80er-Jahre rund 650.000 Mitglieder hat. Für viele, insbesondere medizinische Fachkräfte, bietet die Mitgliedschaft eine Möglichkeit, sich gesellschaftlich zu engagieren, ohne der SED beitreten zu müssen. 1952 setzt eine Massenflucht aus der DDR und Ostberlin ein, viele befürchten die Schließung der Grenzen. Das DRK hilft den Flüchtlingen mit der sofortigen Einrichtung von Heimen und Lagern. 1953 verschärft sich die politische Lage in der DDR. Am 17. Juni kommt es zu einer Welle von Streiks und Demonstrationen, auf die eine regelrechte Massenflucht folgt. 350.000 DDR-Bürger verlassen die Sowjetische Besatzungszone ohne Genehmigung, die meisten finden in den 53 DRKLagern vorläufig Zuflucht.

Die 1960/1970er Jahre: Hochwasser in Hamburg und ein schwimmendes Krankenhaus

In den 60er-Jahren baut das DRK sein Netz an Rettungsstationen und Krankentransporten aus. In Hamburg wird das Hochwasser 1962 zur Bewährungsprobe für die Rotkreuz-Helfer: Sie richten Notunterkünfte ein, beschaffen Wolldecken und Essen für die Obdachlosen. Mit fliegenden Unfallhilfestellen, Sanitätskraftwagen und Kleidersammelstellen lindert das DRK die Not der Flutopfer. Zwei Jahre nach Ausbruch des Vietnamkrieges entsendet das DRK 1966 im Auftrag der Bundesregierung das Hospitalschiff Helgoland, um vietnamesischen Kriegsopfern zu helfen. Bis 1971 versorgen 272 DRK-Helfer unermüdlich insgesamt 212.000 schwerverletzte Zivilisten.

Mauerfall, Jahrhundertflut, ein deutsches Sommermärchen und die Loveparade

Mit dem Fall der Mauer beschließt das DRK die Aufnahme der Landesverbände der neuen Bundesländer. 2002 verwüstet die Jahrhundertflut der Elbe ganze Landstriche in Sachsen. Beim größten Katastropheneinsatz in der Geschichte des Bundesrepublik sind mehr als 12.000 DRK-Helfer aktiv. 2006 genießt die Bundesrepublik ein ausgelassenes Fußballfest. Seit 30 Jahren sichert das DRK den Sanitätsdienst in deutschen Fußballstadien. Während der WM 2006 sind täglich 3.000 bis 5.000 DRKHelferinnen und Helfer auf den Beinen. Sie absolvieren 96.700 Einsätze. Einen der
größten Einsätze der vergangenen Jahre löste die Massenpanik bei der Loveparade 2010 in Duisburg aus. 1500 ehrenamtliche Helfer kamen zur Unglücksstelle, um Hilfe und Beistand zu leisten. Offizielle Partner des DRK im Jubiläumsjahr 2013

Hochwasser 2013

Im Juni 2013 brachte das DRK 4000 DRK-Helfer bei der Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland in den Einsatz. Wasser- und Luftretter holten Tausende von Menschen aus ihren umspülten Häusern. 30.000 Menschen mussten vom DRK in Notunterkünften untergebracht, verpflegt, sanitätsdienstlich betreut und mit Dingen des täglichen Bedarfs versorgt werden. In besonders betroffenen Regionen waren mobile psychosoziale Betreuungsteams im Einsatz, um die Menschen emotional aufzufangen und Tipps für die Beantragung von Hilfsgeldern zu geben. Zusätzlich stellte das DRK Hunderte von Bautrocknern zur Verfügung, um die Häuser schnell wieder bewohnbar zu machen. Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen spendeten dem DRK rund 22 Millionen Euro.

Internationale Hilfseinsätze und Entwicklungszusammenarbeit

Am 26. Dezember 2004 löst ein Erdbeben im indischen Ozean einen Tsunami aus und fordert 230.000 Opfer. Das DRK schickt ein mobiles Krankenhaus, eine Gesundheitsstation und drei Trinkwasseranlagen nach Indonesien und kann 124,6 Millionen Euro Spenden sammeln. Bis heute unterstützen Projekte zur Katastrophenvorsorge die Bewohner, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Nach dem Erdbeben 2010 auf Haiti mit 230.000 Opfern brechen 500 DRK-Helfer sofort in den Einsatz auf. Sie versorgen in einem mobilen Rotkreuz-Hospital über 70.000 Obdachlose, helfen mit Wasseraufbereitungsanlagen, Stromgeneratoren, Zelten, Medikamenten. Spenden in Höhe von 33 Millionen Euro werden über fünf Jahre in die
Aufbauarbeit und in die Katastrophenvorsorge investiert. In den vergangenen Jahren setzte das DRK zahlreiche Spendenaufrufe und internationale Hilfsprojekte um und engagiert sich nachhaltig in der Katastrophenvorsorge – zuletzt mit Hilfstransporten in syrische Flüchtlingslager, für die Erdbebenopfer in Japan, Soforthilfe für die Opfer der Flutkatastrophen 2010 und 2011 in Pakistan oder im Rahmen der Dürrekatastrophe am
Horn von Afrika. Derzeit arbeitet das DRK in über 50 Ländern in Afrika, Asien, Nahost, Lateinamerika und Europa – nicht nur in der Katastrophenhilfe, sondern auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Mit langfristigen Projekten in der Katastrophenvorsorge, Programmen zum gerechten Zugang zu sauberem Wasser, durch medizinische Unterstützung und Kampagnen zur Gesundheitsaufklärung, Maßnahmen zur Ernährungssicherung und zur Schaffung von Einkommen für die lokale Bevölkerung und nicht zuletzt durch aktiven Schutz und Förderung von Kindern und Frauen leistet das DRK weltweit einen Beitrag zur Erreichung der Milleniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen.
Nach der Tsunami-Katastrophe und dem verheerenden Erdbeben 2011 in Japan sammelte das DRK 30 Millionen Euro an Spenden und leitete sie an das Japanische Rote Kreuz weiter. 67.000 Patienten konnten medizinisch versorgt werden, das Rote Kreuz verteilte Decken, Kleidung, Schlafsäcke und andere Hilfsgüter. Die Gelder wurden u.a. zum Wiederaufbau medizinischer Einrichtungen in der Myagi Präfektur sowie zur Rotkreuz-Versorgung der zahlreichen älteren Menschen verwendet. 72.000 Übergangshäuser für obdachlose Familien wurden zudem mit Hausrat ausgestattet.
In den letzten zwei Jahren leistete das Deutsche Rote Kreuz auch in Syrien Hilfe. Dort sind bis zu sieben Millionen Menschen, unter ihnen rund 4,25 Millionen Flüchtlinge, auf Hilfen angewiesen. Mit Mitteln des Auswärtigen Amtes und der EU, aber auch durch Spenden der deutschen Bevölkerung, konnten 63.000 Lebensmittelpakete, 65.000 Babykits, 180.000 Hygienepakete und 18.000 Wasserbehälter an die Menschen ausgegeben werden. Zur besseren Verteilung der Hilfsgüter brachte das DRK Gabelstapler, LKW und Generatoren zur ins Land.

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